Presseartikel zu Maximin Grünhaus

Wein spricht Deutsch

Genau wie die Saar besteht das hübsche Mini-Weinbaugebiet Ruwer aus einer Reihe von Rebinseln. Die auffälligste davon liegt naher der Mündung der Ruwer mit der Mosel, getrennt vom großen Fluss nur durch dem Grüneberg: Heimat der C. von Schubert’schen Gutsverwaltung / Maximin Grünhaus bei Mertesdorf. Hier wäre es durchaus möglich, einen großen geschichtlichen Bogen zwischen der ersten schriftlichen Erwähnung des Gutes im Jahr 966 nach Christus bis zur Übernahme der Betriebsführung durch Dr. Carl Ferdinand von Schubert 1981, knapp ein Jahrhundert, nachdem es durch Heirat in den Besitz seiner Familie gekommen ist, zu spannen. Und es wäre eine interessante Geschichte – aber die aktuelle Entwicklung ist noch spannender.

Der einzige notwendige Vorspann dafür ist der Blick von der anderen, östlichen Seite des Tals. Von dort erkennt man ganz klar den geschlossenen, steilen rebbedeckten Hang von Maximin Grünhaus, der sich in drei Alleinbesitzlagen aufteilt, Abtsberg, Herrenberg und Bruderberg. Die bewaldete Spitze, des Grünebergs wirkt wie ein Riesen – Spoiler, der die kalten Nordwinde weit über die Reben hinweg leitet. Noch auffälliger für den Betrachter ist das von Zinnen besetze Gebäudeensemble am Fuß des Berge, das wohl an ein Märchenschloss erinnert. Der ganze Betrieb hat tatsächlich Schloss- Charakter, und Dr. von Schubert ist durchaus eine Art Schlossherr, auch wenn das etwas platt klingt…

…Glücklicherweise scheinen der weltgewandte von Schubert und der zielstrebige, nachdenkliche Kraml sehr gut zueinander zu passen und auf einer Wein – Wellenlinie zu liegen. Auch wenn viel Detailarbeit für die nächsten Jahre bleibt, haben die Weine einen deutlichen Sprung nach vorn gemacht, und eine vorsichtige Neudefinition der Weinstilistik ist eingeleitet worden.

Die Erneuerung ist am ehesten bei den trockenen Weinen zu spüren, die deutlich fülliger und fruchtbetonter, auch direkter in der Art geworden sind. Wie bei vielen anderen Gütern an Ruwer, Saar und Mosel ist die Kategorie halbtrocken durch feinherb ersetzt worden, was zu  dem rassigen, leichtfüßigen Grünhäuser Rieslingen auf Anhieb passt. In dieser Richtung, aber ohne die eigentliche Bezeichnung auf dem Etikett, gibt es zwei beeindruckende neue Weine namens Herrenberg SUPERIOR und Abtsberg SUPERIOR, die eine konsequente Rückkehr zur Tradition des Weinguts darstellen. Beide werden aus den beten Parzellen ihrer jeweiligen Lage gekeltert und vergären mit natürlichen Hefen im Fuderfass so weit und so lange, wie sie wollen. Im ersten Jahrgang 2005 haben beide einen Alkoholgehalt von 11,5 Volumenprozent und eine wunderbare Harmonie erreicht. Es sind ausdrucksstarke hochoriginelle Weine, die ein oder zwei Jahre auf der Flasche brauchen, um ihre Schätze auszubreiten.

Unter den drei Grünhaus – Lagen führte der Bruderberg lange ein Schattendasein. Aus der nur einen Hektar umfassenden Lage, die nach Osten neigt, wird nur ein Wein pro Jahrgang mit zarter natürlicher Traubensüße erzeugt. Doch aufgrund der globalen Erwärmung hat sie in den letzten Jahren eine Reihe starker Weine hervorgebracht: Der geniale 2005er ist selbst im Ruwer – Kontext, wo die Weine zu eigenen Duftnoten neigen, ein wenig wild. Sehr pointiert, mit edler Säurefrische und großartigem Spiel, wirkt er ungemeint vital.

Die Rieslinge aus den anderen Lagen sind von ganz anderem Temperament. Der 19 Hektar große Herrenberg, in dem rötlicher Schiefer vorherrscht, neigt zu vielschichtiger Duftigkeit mit Noten nach Beeren, Kräutern oder gar Räucherstäbchen. Die Weine sind filigran und frisch, ihre Stärke ist in der Jugend oft etwas versteckt und daher leicht zu unterschätzen. Die Weine aus dem 14 Hektar großen Abtsberg wirken zugleich reservierter und strahlender, aber auch fester in der Säure, mit delikateren Fruchtnoten, die vor allem an leicht säuerliche, aber hocharomatische, in nördlichen Regionen gereifte Pfirsiche erinnern. Bei den trockenen und feinherben Spätlesen sind die Unterschiede ebenso klar wie bei den Kabinetten und Spätlesen mit natürlicher Süße. Was Letztere auszeichnet, ist keinesfalls eine großartige Kraft oder immense Nachhaltigkeit, sondern vielmehr die Feinheit der Aromen und das nuancierte Spiel der vielen Geschmackselemente; dies sind die großen Tugenden des Ruwerweins.

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