Presseartikel zu Maximin Grünhaus

Wein direkt, Hallwag

...Unterteilung seiner Monopollage in einzelne Abschnitte vor, zum Beispiel in Herrenberg und Abtsberg. Daraus ergeben sich in der Tat abweichende Nuancen in Duft und Geschmack der Weine. Das ändert aber nichts daran, dass der Grünhäuser ein Weinberg am Stück ist und nur von einem einzigen Betrieb interpretiert wird - mithin eine Immobilie, deren geschmackliche Aussagekraft allein von Maximin Grünhaus (So wird das Anwesen auch bezeichnet) zu einem Weinstil geformt wird. Es gibt keine Konkurrenz nach dem Motto: "Jetzt probieren wir doch einfach mal, was die nebenan so machen." Das geht hier nicht. Konkurrenz kann sich das Weingut nur selber machen. Wenn wir hier über Grünhäuser Weine schreiben, dann handelt es sich dabei selbstverständlich um Riesling. Der steht auf Schiefer, welcher auch das sind nennenswerte Nuancen einmal mehr, einmal weniger Eisen enthält. In nicht allzu weiter Ferne plätschert die Ruwer ihrem Nahziel, der Mosel, entgegen. Grünhaus ist also ein Paradies: Herrenhaus im gotischen Stil, weiße Kieswege, Kunst im Park, alter Baumbestand, alles adrett hergerichtet. Durch den Weinkeller fließt ein kühlendes Rinnsal, das Feuchtigkeit spendet und die Temperatur reguliert eine hochmoderene Klimaanlage, die die globale Erwärmung nicht anheizt, weil sie keinen Strom frisst. Im Keller liegen jede Menge Holzfässer, nach alter Väter Sitte alt, manche mit Kerzenstummeln obendrauf. Die Fässer tragen mit Kreide angebrachte Nummern, von denen einige später auf den Etiketten der Flaschen wieder auftauchen. Das ist dann eine Art 6 aus 49. Die Auslese aus Fass Nummer 38 zum Beispiel oder eine aus Fass Nummer 17. Anhand der Nummern läßt sich ungefähr feststellen, wie viele Fässer es gibt. Wie haben sie nicht gezählt, aber es sind mit Sicherheit mehr als hundert. Die Nennung einzelner Fassnummern deutet aber auch an, dass es sich bei den Weinen dieser 1000-Liter-Gebinde um weit über den Jahrhundertdurchschnitt hinausragende Qualitäten handelt. So eine Auslese kann recht viel Freude machen wenn man bereit ist, 30 bis 40 Euro für eine Flasche zu berappen. Für uns ist 17 ein Code für "ohne Zeit und Raum". Schwerelos wie ein Zitronenfalter und scheinbar ohne Ziel segelt jeder Tropfen eines solchen Rieslings in uns hinein, um in unserem Gedächtnis vor Anker zu gehen. Grünhäuser Riesling ist ein Paradoxon: Er schwebt federleicht, tanzt lächelnd wie Fred Astair, um am Ende doch einen gewichtigen Eindruck zu hinterlassen. Aber, liebe Nicht-Lotto-Spieler unter unseren Lesern, Herr von Schubert hat für jeden eine Medizin im Sacke. Es gibt trockene und leicht restsüße Rieslinge, Kabinette und Spätlesen, die den Rhythmus mitschnippen, wenn sie dem Schiefer einen Weg zu Ihnen bahnen. Das können sehr intensive minralische Erlebnisse sein, glitzernd und feucht wie Moos. Die Kraft des Alkohols ist dem Wesen dieser Weine fremd. Ihre Stärke liegt in der Frische, der Fruchtigkeit, der Süße und einer quicklebendigen Fruchtsäure, die alles vitalisiert ? Features also, auf die fast die ganze Welt neidisch ist. Merke: Dicke Dinger gibt's überall (nach einem Glas die Standardfrage: "Kannsdufahnschatz?"), aber Weine wie Schmetterlinge, die sind fast so rar wie ein Sechser im Lotto. Während der Dreharbeiten zu unserer TV-Reihe "Die besten Weinberge Deutschlands" ließ Herr von Schubert einen 70er Schmetterling frei - nicht Fass Nummer 70, Jarhgang 1970. Der machte eine blendende Figur zum Bohneneintopf. Er flatterte zu uns, als sei er frisch geschlüpft. Noch heuete sitzt er in unserem Kopf und wippt mit den Flügeln.

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