Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung

Fein raus mit feinherb von Stuart Pigott - Das Mosel - Saar - Ruwer - Gebiet gilt zwar als erzkonservativ, dennoch hat sich die neue Bezeichnung "feinherb" dort in den vergangenen Jahren überraschend schnell etabliert.

Sie hat den seit 1971gebräuchlichem Begriff „halbtrocken“ inzwischen nahezu vollständig ersetzt. Assoziationen von wegen „weder Fisch noch Fleisch“ warennaheliegend, aber der Grund für die Verdrängung des Wortes liegt nur zum Teil in der vermeintlich mangelnden Eleganz jedweder halben Sache. „Halbtrocken“ hat auch den Nachteil, dass das Gesetz dabei eine Obergrenze von 18 Gramm Traubensüße je Liter Wein vorschreibt, was bei „feinherb“ nicht der Fall ist.

Das passt den Rieslingweinen des Gebietes ganz besonders gut, weil sie mit 19 oder 20 Gramm Traubensüße je Liter oft eine Wesentlich überzeugendere Harmonie aufweisen als mit 16 oder 17 Gramm. So unlogisch es auch klingen mag: Ein Mosel – Riesling kann mit der analytisch etwas höheren Süße eine stimmigere geschmacklichere Einheit darstellen als der mit dem analytisch niedrigeren Wert. Andererseits schmecken Mosel – Rieslinge mit etwas mehr Süße,  als der Gesetzgeber es für die Kategorie „trocken“ zulässt, meist wesentlich saftiger, ohne aber süß zu wirken. So gesehen, bietet die Kategorie „feinherb“ ehrgeizigen Mosel – Winzern genau die richtige Freiheit, um stimmige herb schmeckende Weine zu erzeugen...

...Inzwischen ist „feinherb“ sogar bei den traditionsreichsten Erzeugern der Region etabliert. Dass diese Kategorie auch dort eine gute Ergänzung des Sortiments ist, beweist der 2004er „Abtsberg“ Riesling Kabinett feinherb von Maximin Grünhaus im Ruwertal (10,30 Euro, Telefon 0651 / 5111). Er besitzt die ganze mineralische Würze, delikate Saftigkeit und Anmut eines hochkarätigen Mosel – Saar – Ruwer – Riesling und ist dazu noch ein perfekter Essensbegleiter.

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