Wein der Woche: Großes Schnäppchen
Falsche Jahreszeit, richtiges Weingut, falsche
Gegend. Doch gut und günstig.
Das macht den Weißburgunder von Schubert Maximin Grünhaus zu einem
günstigen Bringer der Sonderklasse.
Der Captain schaut auf die Temperatur: Minus acht Grad. Das ist die
Zeit der fetten Rotweine. Kalt, nass, bibber. Doch daheim den Kamin
befeuern und ein Glas guten Rotweins genießen (womöglich noch zum Käse)?
Igitt.
Der Captain hasst Klischees. Kamine und Rotwein gehen nur, wenn man
dazu Sex haben kann. Wenn man aber weder Kamin noch Rotwein hat und
deswegen auch keinen Sex, darf man bei kalt, nass und bibber trinken,
was man will. Auch einen kalten Weißwein.
Nur zu kalt sollte der Weißburgunder von Schubert Maximin Grünhaus nicht sein, denn dann verliert er seine Aromen. Herrliche
Aromen nach Birne und etwas Aprikose. Auch ganz gering nach Mandel und
Erdnussbutter. Und dann nach Nasivin, das der Capain braucht, um seine
Nase vom Schnupfen freizukriegen. Das Nasivin also, ist nicht im Wein.
Das wirklich Einzigartige an diesem Wein ist, wie sanft, elegant und
dennoch nachdrücklich die Aromen der Holzfässer eingebunden wurden. Das
ist große Klasse. Denn es wurde genau an jener Stelle Halt gemacht,
deren zaghaftes Überschreiten den Wein in die Gesellschaft der
Gewöhnlichen eingeführt hätte. Zwar mit Taktstock, aber dennoch bei den
Gewöhnlichen.
So ist dieser Weißburgunder bei den Ungewöhnlichen zu Gast geblieben,
bei jenen, die bringen, was keiner erwartet. Weißburgunder, Mosel, 2008
(das unausgewogene Jahr), internationale Stilistik, regionale
Verankerung. Und ein echt leckeres Trinkvergnügen. Ungewöhnlich. Der
Captain hat der Mannschaft ein paar Kisten für den Sommer eingelagert,
denn dieser Saft hat das Zeug zu einem Alltagswein. Alltagswein, denn
der Burgunder ist ein Schnäppchen.
Ein Alltagswein der Luxusklasse, denn natürlich erinnern der elegante
Holzeinsatz und die zurückgesetzt agierende Frucht an einen großen
Burgunder. An einen Wein, der das zigfache kostet.
Und trotz Menge und Preis handelt es sich hier nicht um einen etwas
besser gemachten Industriewein. Nein, die Trauben stammen vom Weingut
selbst (also keine oder wenig Zukäufe), die 1.000 Liter-Fässer werden
aus eigenem, drei Jahre alten Holz gezimmert und der Anbau erfolgt ohne
den Einsatz von Pestiziden.
Und für all diesen Einsatz, für die gekonnt hingebrachte Perfektion,
ist dieser Wein mehr als günstig kalkuliert. Es ist übrigens der erste
Jahrgang. Die nächsten Jahre werden zeigen, ob dieser Wein Zufall war.
Oder das Fundament für einen eleganten Burgunder mit hervorragendem
Preis-Leistungs-Verhältnis. Letzteres ist anzunehmen.
22.01.2010
http://www.captaincork.com
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