Jahrgangsbericht 2005
Das Jahr 2005 fing mit einem guten, von Frost unbehelligten Austrieb Ende April
an. Das Frühjahr war sonnig und teilweise etwas zu trocken, so dass unsere Jungpflanzen
sogar gewässert werden mussten. Die Blüte begann Mitte Juni und war nach rund 14
Tagen beendet.
Ein Schock war der erste Tornado in Grünhaus am 27. Juni, der rund um das Haus dutzende,
teils über 200 Jahre alte, 40 m hohe Parkbäume herausriss und die umfassende Schlossmauer
stark beschädigte. Leider gab es auch Hagelschauer, die rund 5 ha des Abtsbergs
trafen.
Den folgenden Sommer haben die Reben wesentlich besser als wir Menschen empfunden,
da die Mostgewicht Ende August schon auf einem selten hohen Niveau waren. Es folgte
ein wahrer „Turbo-Herbst“ mit strahlendem Sonnenschein und hohen Temperaturen tagsüber
und recht kalten Nächten, die teilweise bis an die Frostgrenze führten. Die Mostgewichte
schossen in die Höhe, die Säurewerte blieben aber in kaum gekannten, stabilen Höhen.
Die Traubenlese begann schon sehr früh – am 10. Oktober – und war dank perfekter
Witterung in Rekordzeit am 25. Oktober schon zu Ende. Stefan Kraml (unser Betriebsleiter)
und ich fanden bei der Durchsicht der Ernteergebnisse des 20. Jahrhunderts nur 3
– 4 Jahre, in denen vergleichbare Mostgewichte zu 2005 aufgezeichnet wurden (1921,
1959 und 1976). Durch den trockenen Herbst, umfangreiche Ertragsbeschränkungs-Maßnahmen
und den Hagelschlag lag unser Durchschnittsertrag nur bei 30 hl/ha, die Mostgewichte
jedoch im Mittel über 100° Öchsle; die Säuren bei den Weinen bis zur Auslese bei
9 – 10 g/l. Wir dürfen uns über tiefgründige, aromatische und sehr elegant-frische
Maximin Grünhäuser Rieslingweine freuen!
Die klassische Situation der kühlen, teils nebeligen Nächte und der darauf folgenden
warmen Tage ließen in den unteren, waldnahen Bereichen von Herrenberg und Abtsberg
schnell eine hochwertige Botrytis entstehen, die zu sehr konzentrierten Edelweinen
von der Auslese bis zur Trockenbeerenauslese führte. Bemerkenswert sind die hohen
Säurewerte der Spitzenweine, die teilweise 15 g/l übersteigen und eine perfekte
Balance der edlen Süße herstellen.
Neu in Grünhaus ist die Weinkategorie Herrenberg und Abtsberg Superior, die den
jeweiligen Spitzenwein einer Lage bezeichnet, der mit natürlichen Hefen im klassischen
Fuderfass durchgegoren wurde, aber nicht unbedingt „trocken“ sein muss. Die schon
im Fass schlummernden Weine dieser Benennung sind sehr schiefer-würzig, tiefgründig,
zeigen viel Schmelz, Rasse und stammen aus den besten, ertragsreduzierten Parzellen
unseres Betriebes. Eine besondere Flasche und Ausstattung (ein Originaletikett vom
Anfang des 20. Jahrhunderts mit einem sachlichen Rückenetikett) zeichnen diesen
Wein aus. In der Vergangenheit wurden solche Weine häufig als trockene Auslesen
bezeichnet. Im Sinne von mehr Klarheit soll Auslese fortan in Grünhaus aber immer
nur restsüß sein!